Wo steht Österreich heute?
Österreich zählt im europäischen Vergleich zu den Spitzenreitern bei erneuerbarer Energie. Im Jahr 2024 wurden laut dem EAG-Monitoringbericht der Regulierungsbehörde E-Control 94 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen gedeckt — vor allem durch Wasserkraft, aber auch durch den massiven Ausbau von Photovoltaik und Windkraft.[1]
Wichtig zu verstehen: Österreich erzeugt bereits mehr Strom als es verbraucht. Die Stromerzeugung stieg 2024 auf rund 82 TWh, während der Verbrauch bei rund 64,5 TWh lag — Österreich wurde damit wieder zum Netto-Stromexporteur.[12] Trotzdem ist ein gewisser Stromimport technisch notwendig: Strom kann nicht auf Vorrat gespeichert werden, und Erzeugung und Verbrauch müssen im Netz sekündlich ausgeglichen werden. In Spitzenzeiten ohne Wind und Sonne — etwa im Winter oder nachts — wird Strom aus dem Ausland zugekauft, während in sonnen- und windreichen Stunden Überschüsse exportiert werden. Diese Gleichzeitigkeit von Import und Export ist kein Widerspruch, sondern das normale Funktionsprinzip des europäischen Strommarkts.[12]
Beim Gesamtenergieverbrauch (also nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Mobilität) lag der Anteil erneuerbarer Energieträger im Jahr 2024 bei 43,0 Prozent — ein neuer Höchstwert. Die EU-Richtlinie RED III schreibt 42,5 Prozent vor, Österreich hat dieses Ziel damit erstmals erreicht.[2]
Dank des hohen Anteils erneuerbarer Energien ist Österreich im Strombereich das CO₂-effizienteste EU-Land. 88 Prozent der inländischen Stromerzeugung stammten 2023 aus erneuerbaren Quellen (nach RED II-Methodik), so das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus.[6] Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei knapp 45 Prozent erneuerbarer Stromerzeugung.
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG)
Das zentrale Instrument der österreichischen Energiewende ist das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG), das 2021 in Kraft getreten ist (BGBl. I Nr. 150/2021). Es bildet den rechtlichen und finanziellen Rahmen für den Ausbau erneuerbarer Energien und legt konkrete Ziele fest.[7]
Die drei Kernziele des EAG bis 2030
Das EAG teilt den Zubau von 27 TWh auf vier Energieträger auf: 11 TWh Photovoltaik, 10 TWh Windkraft, 5 TWh Wasserkraft und 1 TWh Biomasse. Bei PV und Windkraft läuft der Ausbau planmäßig, beim erneuerbaren Gas besteht laut E-Control noch erheblicher Handlungsbedarf.[1]
Weitere energierechtliche Gesetze
Das EAG ist eingebettet in ein Paket von Gesetzen:[8]
Das Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWG), in Kraft seit Februar 2024, verbietet in Neubauten den Einbau von Heizungen auf Basis von Öl, Kohle oder Flüssiggas. Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) regelt ab Oktober 2026 den neuen Rahmen für Energiegemeinschaften. Das Energieeffizienzgesetz (EEffG) setzt das Ziel, den Endenergieverbrauch bis 2030 auf maximal 920 Petajoule zu begrenzen.
Strom, Wärme und Mobilität — plus Energiegemeinschaften
Die Energiewende umfasst drei große Sektoren: Strom, Wärme und Mobilität. Energiegemeinschaften (EEGs) sind dabei ein zentrales Instrument der Stromwende — sie ermöglichen es Bürgerinnen und Bürgern, aktiv an der Erzeugung und Verteilung erneuerbarer Energie teilzunehmen.
Diese Plattform behandelt die vier Bereiche in eigenen Themenbereichen — auch EEGs bekommen einen eigenen Bereich, weil sie in Österreich eine besondere Dynamik entwickelt haben und eigene Tools, Rechner und ein Verzeichnis verdienen.
☀️ Stromwende — auf dem richtigen Weg
Mit 94 Prozent erneuerbarem Strom im Jahr 2024 ist Österreich dem 100-Prozent-Ziel für 2030 nahe. Der PV-Boom der letzten Jahre ist der wichtigste Treiber: Im Jahr 2024 wurden 2.130 Megawatt neue Solarleistung installiert — das entspricht der Leistung von zwei Großkraftwerken. Die installierte PV-Leistung wuchs 2024 um 36 Prozent, die Batteriespeicherkapazität sogar um mehr als 70 Prozent.[9]
🔥 Wärmewende — größte Herausforderung
Während der Strom weitgehend erneuerbar ist, dominieren beim Heizen noch fossile Energieträger. Der Gebäudesektor ist für rund ein Drittel des österreichischen Energieverbrauchs verantwortlich. Das EWG setzt hier an: Neubauten müssen seit Februar 2024 mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Bei Bestandsgebäuden gelten Übergangsfristen bis 2040.[8] Wärmepumpen, Biomasse und Fernwärme aus erneuerbaren Quellen gelten als die zentralen Alternativen.
🚗 Mobilitätswende — viel Potenzial, viel zu tun
Der Verkehr ist mit 33,7 Prozent (2024) der Sektor mit dem höchsten Energieverbrauch in Österreich — und noch weitgehend fossil.[3] Studien der BOKU Wien und der AEA sehen den vollständigen Umstieg auf Elektromobilität bei Neuzulassungen als eine der dringendsten Maßnahmen. Der Ausbau öffentlicher Ladeinfrastruktur und günstige Förderbedingungen (Öko-IFB 22% für E-Autos bis Ende 2026) sind zentrale Hebel.
🤝 Gemeinschaftliche Energiewende — EEGs
Eine Besonderheit des österreichischen Weges ist die starke Einbindung der Bevölkerung durch Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften (EEGs). Mit über über 6.500 Energiegemeinschaften (EEG, BEG, GEA) aktiven EEGs und mehr als 100.000 Mitgliedern allein in Niederösterreich (Stand Mai 2026) hat Österreich europaweit eine der höchsten EEG-Dichten.[10] EEGs ermöglichen es Haushalten, gemeinsam Strom zu erzeugen, zu teilen und von reduzierten Netzentgelten zu profitieren.
Der Weg zur Klimaneutralität
Was noch zu tun bleibt
Die Fortschritte sind beeindruckend — doch Forschende der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU), der Österreichischen Energieagentur (AEA) und des IIASA betonen im Projekt Netzero2040: Der Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung müsste um 60 Prozent schneller erfolgen als im EAG vorgesehen, um Klimaneutralität 2040 zu erreichen.[11]
Das EAG-Ziel von 5 TWh erneuerbarem Gas bis 2030 ist weit entfernt: Im Jahr 2024 wurden laut E-Control lediglich 0,12 TWh ins Gasnetz eingespeist — weniger als 3 Prozent des Ziels. Hier besteht nach Einschätzung von E-Control dringender Handlungsbedarf bei Genehmigungsverfahren und Netzanbindungen.[1]
Die vier größten Hürden
1. Genehmigungsverfahren — Neue Wind- und Solarparks brauchen in Österreich im Schnitt 5 bis 10 Jahre Genehmigungszeit. Die EU-Notfallverordnung von 2022 und neue Beschleunigungsgesetze sollen Abhilfe schaffen, sind aber noch nicht flächendeckend wirksam.
2. Netzausbau — Der schnelle Zubau von PV-Anlagen übertrifft stellenweise die Aufnahmekapazität der Verteilnetze. Die E-Control betont die Notwendigkeit paralleler Maßnahmen: Netzausbau, Speicherkapazitäten und Flexibilitätsoptionen.[1]
3. Wärme und Mobilität — Beide Sektoren sind noch weit von erneuerbarer Versorgung entfernt. Besonders im Bestand (ältere Gebäude, Gasheizungen) sind die Umbaukosten hoch und die Übergangsfristen lang.[8]
4. Akzeptanz und Fachkräfte — Trotz hoher Bevölkerungsakzeptanz für erneuerbare Energien fehlen qualifizierte Fachkräfte für Installation und Wartung — von Solarteuren bis zu Wärmepumpen-Monteuren.
FAQ zur Energiewende in Österreich
Alle Angaben nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Quellenstand: Mai 2026. Für Korrekturen oder Ergänzungen: Impressum.